Mehr zurückgeben als wir nehmen: Ein Paradigmenwechsel im Bildungsse
Ein Interview mit Sebastian Flock von acb studio
Die ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit zeigen deutlich: Klassische Nachhaltigkeitsstrategien reichen nicht mehr aus. Kaum ein anderer Sektor denkt so selbstverständlich an die kommenden Generationen wie der Bildungssektor.
Im Interview, welches Claudia Kubsch (GFKD AG) mit Experte Sebastian Flock, Gründer und Geschäftsführer von acb studio geführt hat, geht es um regenerative Geschäftsmodelle, die Rolle der Digitalisierung und die Frage, wie Schulen, Kindergärten und andere Bildungseinrichtungen den Schritt von „Net Zero“ hin zum regenerativen Wirtschaften schaffen können.
Von „Net Zero“ zu „Net Positive“: Was regenerative Wirtschaft wirklich bedeutet
Viele Akteure im Bildungssektor – von Schulträgern bis zu Hochschulen – haben in den vergangenen Jahren Nachhaltigkeitsziele formuliert. „Net Zero“ lautet dabei häufig die Formel: Also so viel zurückgeben oder kompensieren, wie man entnimmt. Doch regenerative Wirtschaft geht einen entscheidenden Schritt weiter – sie stellt nicht das Gleichgewicht in den Mittelpunkt, sondern den aktiven Aufbau von ökologischen und sozialen Systemen.
Restore, Preserve, Enhance: Die drei Strategien regenerativen Wirtschaftens
Im Interview macht Sebastian Flock deutlich: Nachhaltigkeit ist der Nullpunkt, nicht das Ziel. Wer regenerativ wirtschaftet, fragt nicht nur, wie Emissionen reduziert oder Schäden ausgeglichen werden können, sondern wie wirtschaftliches Handeln dazu beiträgt, Ökosysteme zu stärken, soziale Strukturen zu fördern und langfristige Resilienz aufzubauen. Es geht also um „Net Positive“ – mehr zurückgeben, als genommen wird.
Regeneratives Wirtschaften folgt dabei drei strategischen Richtungen: Systeme wiederherstellen (Restore), Bestehendes bewahren (Preserve) oder ihre Vitalität gezielt verbessern (Enhance). Besonders der Enhance-Ansatz steht für den eigentlichen Paradigmenwechsel, weil hier wirtschaftliche Aktivität zur aktiven Stärkung von Ökosystemen beiträgt. Auf den Folien im Video wird dieser Übergang anschaulich dargestellt – vom nachhaltigen Design über restaurative Ansätze hin zu einer konsequent regenerativen Perspektive. Damit wird deutlich: Regeneration ist kein „grünes Add-on“, sondern Ausdruck eines neuen Verständnisses von Wertschöpfung, das langfristig denkt und in Generationen statt in Quartalen rechnet.
Digitalisierung als Treiber: Wie ökologische, soziale und ökonomische Ziele zusammenfinden
Ökologische Wirkung: Energieeffiziente, CO₂-arme digitale Produkte
Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Richtig eingesetzt, kann sie helfen, ökologische Ziele konkret umzusetzen. Digitale Infrastruktur in Bildungseinrichtungen prägt zunehmend die Qualität von Lernräumen – von Lernplattformen bis zu Verwaltungsprozessen. Energieeffiziente, barrierefreie Systeme können hier nicht nur Ressourcen schonen, sondern auch Teilhabe im Bildungsalltag stärken.
Soziale Wirkung: Digitale Barrierefreiheit schafft Teilhabe
Digitale Lösungen entfalten ihre regenerative Wirkung besonders dann, wenn sie inklusiv gestaltet sind. Barrierefreie Anwendungen ermöglichen Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten echte Teilhabe. Dies ist entscheidend, um langfristig als Gesellschaft zu bestehen.
Ökonomische Wirkung: Performance, Reichweite und langfristige Profitabilität
Digitale Infrastruktur in Bildungseinrichtungen kann nicht nur effizienter, sondern auch ressourcenschonender gestaltet werden. Denn nachhaltige, barrierefreie und performante digitale Lernplattformen stärken die Qualität von Bildungsangeboten und erweitern Teilhabechancen.
Vom Trendradar zur Praxis: Wo regenerative Innovation heute schon entsteht
Regenerative Wirtschaft ist kein abstraktes Zukunftskonzept – sie nimmt bereits konkret Gestalt an. Im Interview beschreibt Sebastian Flock ein eigens entwickeltes Trendradar, das sichtbar macht, wo digitale Innovation und regenerative Ansätze heute schon zusammenwirken. Acht Innovationscluster hat er gemeinsam mit Expertinnen und Experten identifiziert – von regenerativer Landwirtschaft über Kreislaufwirtschaft und Dekarbonisierung bis hin zu transparenten Lieferketten und bewusstem Konsum.
Dabei geht es nicht nur um bekannte Schlagworte, sondern um neue Perspektiven auf Wertschöpfung. Ein zentrales Motiv ist etwa „Beyond the Face“: Der Blick hinter die Kulissen von Produkten und Prozessen. Transparenz wird hier zum strategischen Prinzip – unterstützt durch digitale Technologien, die Daten sichtbar und nachvollziehbar machen.
Auch Schulen, Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen sind Teil dieser Entwicklung – als Lernorte, als öffentliche Akteure und als Gestalter zukünftiger Kompetenzen.
Mehr Praxisbeispiele im Podcast „Regenerativ und Digital“
Entlang des Trendradars wurden zahlreiche Best Practices identifiziert und im Buchprojekt „Regenerativ und Digital“ vertieft. 15 Beispiele aus unterschiedlichen Branchen zeigen, dass regenerative Transformation längst Realität ist. Im begleitenden Podcast „Regenerativ & Digital“ berichten Expertinnen und Experten alle zwei Wochenoffen über Erfahrungen, Herausforderungen und Erfolge aus der Praxis. So wird deutlich: Regeneration ist keine Theorie, sondern bereits in Bewegung.
Bildung als Hebel für die Zukunft: Das Beispiel Acker
Wie regenerative Ansätze ganz konkret wirken können, zeigt „Acker e.V.“. Die Initiative richtet sich an Kitas und Schulen und verfolgt eine sogenannte „Enhance“-Strategie: Ziel ist es nicht nur, Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu schaffen, sondern ökologische und soziale Systeme aktiv zu stärken – von Anfang an.
Im Zentrum steht ein ebenso einfaches wie kraftvolles Konzept: Kinder bauen ihr eigenes Obst und Gemüse an. Auf dem Schul- oder Kitagelände entstehen Lernorte, an denen gesät, gepflegt, geerntet und verarbeitet wird. So erfahren junge Menschen unmittelbar, wo Lebensmittel herkommen, wie viel Arbeit in ihnen steckt – und warum Natur ein schützenswertes Gut ist. Diese praktische Erfahrung prägt nachhaltig, weil sie Wissen mit Erleben verbindet.
Digital begleitet und langfristig verankert
Gleichzeitig zeigt sich hier, wie digitale Unterstützung regenerative Bildung strukturell verankert: Lehrkräfte werden über eine begleitende Plattform qualifiziert, erhalten Materialien und werden über mehrere Jahre hinweg begleitet. Lernorte entstehen nicht als kurzfristige Projekte, sondern werden stabil aufgebaut und in die Verantwortung der jeweiligen Bildungseinrichtung überführt. So entwickeln junge Menschen Gestaltungskompetenz und erleben ganz konkret, dass ihr Handeln gesellschaftliche Wirkung entfalten kann – ein Kernanliegen moderner Bildungsarbeit.
Einfach anfangen: Warum Mut wichtiger ist als Perfektion
Regenerative Wirtschaft wirkt für viele Organisationen zunächst groß und komplex – vielleicht sogar überwältigend. Doch im Interview betont Sebastian Flock: Der wichtigste Schritt ist nicht der perfekte Masterplan, sondern das bewusste Beginnen. Statt alles von A bis Z durchzuplanen, empfiehlt sich ein pragmatischer, agiler Zugang.
Orientierung gewinnen und Potenziale erkennen
Der Einstieg beginnt mit Wissen und Austausch. Wer sich mit regenerativen Prinzipien auseinandersetzt, den Dialog mit Wissenschaft und Praxis sucht oder erste Best Practices analysiert, baut Vorbehalte schnell ab. Gerade im Bildungssektor lohnt sich der Blick nach innen: Wo können bestehende Lernräume, Programme oder Kooperationen regenerativ weiterentwickelt werden? Oft liegen die ersten Hebel bereits im eigenen Wirkungskreis – im gelebten Bildungsauftrag und in der täglichen Gestaltung von Lernprozessen.
Pilotieren statt perfektionieren
Anstatt auf die ideale Lösung zu warten, empfiehlt sich ein Vorgehen nach dem Prinzip „Good enough to try“. Kleine Pilotprojekte, Experimente oder interdisziplinäre Workshops bringen Bewegung in die Organisation. Wichtig ist eine enge Reflexion: Was funktioniert? Wo muss nachjustiert werden? Agiles Arbeiten ermöglicht es, Kurskorrekturen vorzunehmen, bevor größere Risiken entstehen – und stärkt zugleich die Gestaltungskompetenz innerhalb der Einrichtung.
Beteiligung schaffen und Resilienz stärken
Regenerative Transformation gelingt nachhaltiger, wenn Mitarbeitende frühzeitig eingebunden werden. Gemeinsame Innovationsprozesse fördern Akzeptanz, Verantwortung und bereichsübergreifende Zusammenarbeit. Wer heute beginnt, investiert nicht nur in Umwelt und Gesellschaft, sondern auch in die Zukunftsfähigkeit der eigenen Institution – und übernimmt Verantwortung für kommende Generationen und erfüllt damit den zentralen Bildungsauftrag, junge Menschen auf eine gestaltbare Zukunft vorzubereiten.
Regenerative Bildung beginnt dort, wo junge Menschen erleben, dass wirtschaftliches Handeln Zukunft gestaltet – und wo Lernräume zu Orten aktiver Zukunftsgestaltung werden.
Hinweis: Dieser Artikel ist auf Basis des Interviews und unter zu Hilfe nahme Künstlicher Intelligenz geschrieben worden.
Welche Schritte sind Sie bereits in Richtung regeneratives Wirtschaften gegangen?
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Interview
Mehr zurückgeben als wir nehmen: Ein Paradigmenwechsel im Bildungssektor
Sebastian Flock, acb studio & Claudia Kubsch, GFKD AG