Das Hürther Modell: 1:1-Ausstattung sozial, standardisiert und digital verwaltet
Wie die Stadt Hürth im Rahmen ihres Medienentwicklungsplans 2025–2029 gemeinsam mit Bechtle ein elternfinanziertes iPad-Modell aufgebaut hat
1:1-Ausstattung mit mobilen Endgeräten gilt vielerorts als reine Beschaffungsfrage. Die Stadt Hürth zeigt, dass dahinter deutlich mehr steckt. Im Rahmen ihres Medienentwicklungsplans 2025 bis 2029 hat die Kommune gemeinsam mit dem Systemhaus Bechtle ein Modell entwickelt, das elternfinanzierte iPads mit einem sozial gestaffelten Zuschusssystem, einem einheitlichen Geräte-Standard und einem vollständig digitalen Antragsverfahren verbindet. Der Hintergrund ist bekannt. Die Mittel aus dem Digitalpakt reichen für viele Schulen nicht aus, um eine flächendeckende digitale Ausstattung zu finanzieren, und auch der Digitalpakt 2 verlagert mit seiner neuen Verteilung mehr Verantwortung auf die Kommunen.
Wie ein solches Projekt in überschaubarer Zeit und mit klaren Regeln umsetzbar wird, schildern im Webcast die verantwortlichen Projektleiter von Bechtle und der Stadt Hürth im Gespräch mit Martin Schmiedel. Sie sprechen darüber, wie Chancengleichheit, Standardisierung und schlanke Verwaltungsprozesse ineinandergreifen, welche Rolle Transparenz gegenüber Eltern, Schulen und der Politik spielt, und was andere Kommunen aus den ersten Erfahrungen mitnehmen können.
Wenn Fördermittel nicht ausreichen: Der Ausgangspunkt für neue Finanzierungswege
Als der Digitalpakt 1 startete, stand für viele Schulen eine Fördersumme zur Verfügung, die für ein oder zwei digitale Endgerätekoffer reichte. Für Schulen mit mehreren hundert bis über tausend Schülerinnen und Schülern, die digitalisierten Unterricht anbieten sollen, war das deutlich zu wenig. Auch mit Blick auf den Digitalpakt 2 ändert sich die Ausgangslage nicht grundlegend. Statt einer Verteilung von 90 zu 10 zwischen Bund und Land gilt künftig eine Verteilung von 50 zu 50, wodurch Länder, Gemeinden und Kommunen einen größeren Anteil selbst aufbringen müssen. Da viele Kommunen zugleich mit angespannten Haushaltslagen und teilweise Haushaltsdefiziten zu kämpfen haben, wächst der Druck, alternative Finanzierungswege für die digitale Infrastruktur an Schulen zu finden.
Gleichzeitig lässt sich der digitale Wandel im Schulalltag kaum aufhalten. Der Aufbau von Medienkompetenz gilt dabei als zentraler Baustein schulischer Bildung.
Der Aufbau der Medienkompetenz bei den Schülerinnen und Schülern ist ein ganz wichtiger Faktor bei diesem Prozess der schulischen Bildung.
Michael Brandt
Bechtle
Um diesem Anspruch gerecht zu werden, haben sich in der Praxis unterschiedliche hybride Finanzierungsmodelle etabliert. Sie reichen von vollständiger Elternfinanzierung in Verbindung mit einem verwalteten Endgerät über Zuschüsse auf Basis eines Schulträgerbeschlusses bis hin zur Unterstützung durch Fördervereine oder ansässige Unternehmen, die auf diesem Weg auch die Fachkräftesicherung in der eigenen Region im Blick haben.
Der strategische Rahmen: Medienentwicklungsplan 2025 bis 2029
In der Stadt Hürth ist die IT-Entwicklung an Schulen fest in einem Medienentwicklungsplan verankert, der jeweils für fünf Jahre die Richtung vorgibt, von der Infrastruktur über WLAN bis zu den Endgeräten. Während der Erarbeitung des aktuellen Plans für die Jahre 2025 bis 2029 entstand die Idee, Eltern stärker einzubinden, statt wie bisher nur eine feste Geräte-Quote pro Schule zu verteilen. Um die eigene Herangehensweise zu prüfen, hat sich die Stadt mit anderen Kommunen ausgetauscht, unter anderem mit der Stadt Bocholt, die bereits ähnliche Erfahrungen gesammelt hatte.
Da ein Vorhaben dieser Größenordnung, konkret geht es um rund 600 iPads, allein durch die Kommune kaum zu stemmen war, folgte eine Ausschreibung. Den Zuschlag erhielt das Systemhaus Bechtle. Betroffen sind die fünf weiterführenden Schulen im Zuständigkeitsbereich der Stadt, von insgesamt 16 Schulen. Von Anfang an stand für die Verantwortlichen fest, dass der gesamte Prozess für Eltern und Schulen einfach und verständlich bleiben muss, damit er tatsächlich angenommen wird.
Standardisierung statt Bring Your Own Device
Statt unterschiedliche Geräte zuzulassen, hat sich Hürth für ein einheitliches Standard-Bundle entschieden. Jedes Kind erhält unabhängig von der besuchten Schulform dasselbe iPad mit derselben Hülle und demselben Stift. Dieser Grundsatz sollte von vornherein vermeiden, dass Kinder verschiedener Schulen ihre Ausstattung vergleichen und sich benachteiligt fühlen. Zugleich war dieser klare Standard ein wichtiges Argument, um politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger im Stadtrat von dem Vorhaben zu überzeugen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt betrifft das Eigentum an den Geräten. Da es sich um Privatgeräte handelt, die die Eltern anteilig finanzieren, gehen die iPads in ihr Eigentum über und verbleiben auch nach Ende der Schulzeit beim Kind beziehungsweise bei der Familie. Diese Regelung hat aus Sicht der Stadt eine wichtige Hürde in der Akzeptanz des Projekts genommen.
Chancengleichheit durch ein sozial gestaffeltes Zuschussmodell
Nicht jede Familie kann sich die digitale Teilhabe ihres Kindes ohne Weiteres leisten. Aus diesem Grund kombiniert das Hürther Modell zwei Bausteine. Bechtle bietet den Eltern die Möglichkeit, die Endkaufssumme in Raten zu zahlen, um den monatlichen Aufwand möglichst gering zu halten. Zusätzlich gewährt die Stadt Hürth Zuschüsse, die sich nach der individuellen finanziellen Situation der Familien richten. Jede Familie erhält mindestens 50 Prozent Zuschuss, je nach Einkommenslage sind auch 75 oder 100 Prozent möglich.
Wir wollen, dass jedes Kind Anrecht hat, so ein iPad zu erhalten, und wir wollten die finanziellen Ungleichgewichte irgendwie aufhebeln.
Frau Schmidt
Stadt Hürth
In der Praxis kam dieses Angebot bei den Eltern gut an. Viele haben aktiv Anträge auf eine höhere Zuschussstufe gestellt und sich dazu mit der Verwaltung ausgetauscht, was aus Sicht der Stadt zeigt, dass das Modell tatsächlich angenommen wird.
Digitale Verwaltungsprozesse und Empfehlungen für andere Kommunen
Damit ein Projekt dieser Größenordnung mit begrenztem Personal überhaupt handhabbar bleibt, hat sich Hürth für einen vollständig digitalen Prozess entschieden. Anträge laufen online, ohne Papier und ohne Postweg, was spürbar Zeit spart. Organisatorisch liegt die Umsetzung bei einer Koordinatorin für IT-Services an Schulen, unterstützt durch zwei Kolleginnen und Kollegen, die den technischen Support vor Ort übernehmen.
Trotz sorgfältiger Planung wurde der zeitliche Aufwand zunächst unterschätzt, insbesondere durch die vielen Rückfragen der rund 600 anspruchsberechtigten Familien. Als Empfehlung für andere Kommunen nennt Frau Schmidt einen möglichst frühen Start mit ausreichend Puffer, insgesamt rechnet sie mit etwa einem halben Jahr Vorlauf. Bewährt hat sich folgender Ablauf: Information der Eltern vor den Weihnachtsferien, damit diese nicht selbst schon ein Gerät anschaffen, Antragstellung im ersten Quartal, Bestellung im zweiten Quartal und Auslieferung über die Sommerferien.
Als zentrale Erfolgsfaktoren nennt sie durchgehende Transparenz gegenüber Schulen, Eltern und auch innerhalb der eigenen Verwaltung sowie eine schriftliche Prozessbeschreibung, die auch bei Krankheit oder Urlaub die Nachvollziehbarkeit sichert. Kommunen, die ein ähnliches Projekt erwägen, rät sie, zunächst Ziel und verfügbare Mittel zu klären, passende Kriterien für die Geräteausgabe festzulegen und Zuständigkeiten eindeutig zu benennen.
Man sollte keine Angst davor haben, weil am Ende des Tages sind ja eigentlich alle, die beteiligt sind, dankbar dafür, dass ein Hebel geschaffen wird.
Frau Schmidt
Stadt Hürth
Das Hürther Modell zeigt, dass elternfinanzierte 1:1-Ausstattung dann gelingt, wenn Chancengleichheit, klare Standards und einfache Prozesse von Anfang an mitgedacht werden. Wenn Sie mehr über die konkrete Umsetzung erfahren möchten, vernetzen wir Sie gerne mit den Ansprechpersonen der Stadt Hürth.
Hinweis: Für die Erstellung dieses Beitrags wurden KI-Tools eingesetzt.
Verfasser
Team bildung.digital.forum
Eine Plattform der GFKD - Gesellschaft für Kommunikation und Digitalisierung AG
Wir unterstützen die Bildungsbranche dabei, digitale Transformation pädagogisch wirksam zu gestalten.
Event
1:1-Ausstattung mit dem Hürther Modell
Erfahren Sie, wie Schulen digitale Verwaltungsprozesse erfolgreich umsetzen. Perspektiven aus Grund‑, Real‑ und Berufsschule im Praxisdialog.