Digitalpakt 2.0: Warum jetzt Betrieb und Nutzung im Mittelpunkt stehen müssen

Ein Rückblick auf die Erfahrungen aus dem Digitalpakt 1 und ein Ausblick darauf, worauf es beim Digitalpakt 2.0 wirklich ankommt

Veröffentlich im Juli 2026

Nach einer längeren Pause bei den Investitionen in die Schuldigitalisierung steht die Umsetzung des Digitalpakt 2.0 kurz bevor. Für Schulträger, Schulleitungen und IT-Verantwortliche stellt sich damit erneut die Frage, wie digitale Ausstattung in Schulen sinnvoll aufgebaut, betrieben und genutzt werden kann. Der erste Digitalpakt hat dazu wichtige Erfahrungen geliefert, die sich jetzt gezielt nutzen lassen.

Der Digitalpakt 1 hat viel Hardware in die Schulen gebracht, aber gezeigt, dass Technik allein nicht ausreicht. Themen wie Betrieb, Support, klare Zuständigkeiten und die tatsächliche Nutzung im Unterricht kamen oft zu kurz. Expertinnen und Experten der Firma Bechtle ordnen im Folgenden ein, was aus diesen Erfahrungen für den Digitalpakt 2.0 folgt und worauf es aus ihrer Sicht jetzt ankommt.

Rückblick: Was der Digitalpakt 1 gebracht hat und wo es hakte

Der 2019 gestartete Digitalpakt 1 war ein wichtiger Meilenstein für die Schuldigitalisierung in Deutschland. Im Mittelpunkt standen Hardwarebeschaffung und Grundausstattung: Endgeräte, WLAN- und Netzwerkinfrastruktur, interaktive Displays sowie erste Lernmanagementsysteme. Das war eine solide Grundlage, doch der Betrieb und Support dieser Hardware wurde kaum mitgedacht. Bis heute reicht die Netzwerkinfrastruktur in vielen Schulen nicht aus, um die Geräte aktiv im Unterricht zu nutzen, und auch die Schulung der Lehrkräfte blieb häufig auf der Strecke.

Ein zentrales Problem war das Fehlen einer klaren, durchgängigen Strategie. Vielerorts beschafften Schulträger, ohne sich mit den Schulen abzustimmen. Die Folge ist eine sehr heterogene IT-Landschaft, für die IT-Verantwortliche macht das Wartung und Betrieb deutlich aufwendiger.

Selbst im gleichen Landkreis haben Schulen teilweise unterschiedliche Ausstattungen, unterschiedliche Hardware, aber auch unterschiedliche Tools und Plattformen.

Franziska Berrott

Der internationale Vergleich verdeutlicht diese Entwicklung zusätzlich. In England etablierte die British Educational Communications and Technology Agency bereits Ende der 1990er Jahre eine zentrale Struktur, die neben Technik auch Lehrerfortbildung und Standards förderte. Der Digitalpakt 1 war dagegen zunächst vor allem ein Hardware- und Nachholprojekt, bei dem das Thema Lernen noch im Hintergrund stand.

Digitalpakt 2.0: Der Fokus verschiebt sich auf Betrieb, Support und Wiederbeschaffung

Mit dem Digitalpakt 2.0 rückt der Betrieb der Technik stärker in den Vordergrund. Die veröffentlichten Fördersäulen zeigen: Neben der weiterhin wichtigen Ersatzbeschaffung von Hardware werden nun auch Betrieb, Administration und Personal explizit gefördert. Der Grund ist klar: Viele Lehrkräfte wurden bislang zusätzlich mit IT-Aufgaben betraut, was sie vom eigentlichen Unterricht abhielt. Wichtig ist zudem, auf dem aufzubauen, was in den Schulen bereits vorhanden ist, statt von vorne zu beginnen, damit die begrenzten Mittel bestmöglich wirken.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Wiederbeschaffung. Die ersten im Rahmen des Digitalpakt 1 angeschafften Geräte erreichen mittlerweile ein Alter von rund sieben Jahren und damit oft das Ende ihres Lebenszyklus. Der Digitalpakt 2 eröffnet hier neue Möglichkeiten, etwa in Richtung einer 1:1-Ausstattung. Ergänzend gibt es Ansätze wie den Ankauf und die Aufbereitung gebrauchter Geräte, wobei Sicherheitsaspekte und der Schutz sensibler Daten besonders berücksichtigt werden müssen. Entscheidend ist dabei eine Lifecycle-Betrachtung von Anfang an: Es geht nicht nur um Anschaffungskosten, sondern auch um Betrieb, Support, Sicherheit und Datenschutz über die gesamte Nutzungsdauer hinweg.

Klare Zuständigkeiten und eine gemeinsame Strategie als Erfolgsfaktor

Eine zentrale Erkenntnis aus dem Digitalpakt 1 lautet: Es scheitert selten an der Technologie selbst, sondern häufig an fehlenden oder unklaren Zuständigkeiten. An der Schuldigitalisierung sind viele Akteure beteiligt, vom Schulträger über Schulleitungen, Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler bis hin zu externen Dienstleistern und teilweise auch Eltern. Damit Projekte gelingen, sollten möglichst alle an einen Tisch geholt werden, um gemeinsam eine Gesamtstrategie zu entwickeln und zentrale Fragen zu klären: Wer verantwortet die Strategie, den Betrieb, den Support? Wie werden Sicherheit, Datenschutz und Finanzierung geregelt?

Auch die Qualifizierung der Lehrkräfte spielt eine wichtige Rolle. Wer gut geschult ist, ist motivierter, als wenn Endgeräte einfach bereitgestellt werden, ohne dass Unterstützung folgt. Klar ist zugleich: Der Digitalpakt 2 wird langfristig nicht ausreichen, um alle Geräte dauerhaft zu betreiben und auszutauschen. Diese Perspektive muss von Anfang an in der Strategie der Schulträger mitgedacht werden.

Digitalisierung als Daueraufgabe: der Blick nach England

Eine besondere Perspektive bringt David Last ein, der als ehemaliger Lehrer in England, als IT-Verantwortlicher bei einem deutschen Schulträger und heute als externer Berater drei Blickwinkel verbindet. Trotz aller Unterschiede sieht er eine klare Gemeinsamkeit: Am Ende geht es immer um das Lernen, und Lehrkräfte wollen in beiden Ländern stets das Beste für ihre Schülerinnen und Schüler. Der wesentliche Unterschied liegt im Zeitpunkt und in der zentralen Steuerung: England hat das Thema bereits ab Ende der 1990er Jahre zentral gefördert, inklusive Lehrerfortbildung und einheitlicher Standards.

Seine Hoffnung für den Digitalpakt 2.0 richtet sich vor allem auf digitales Lernen und Lehrerfortbildung als kontinuierliche Aufgaben, nicht als einmaliges Projekt.

Wir müssen auch aufhören mit diesem Silo-Denken, Digitalpakt eins, zwei, drei, vier, was auch immer. Digitalisierung muss kontinuierlich im Haushalt mit eingeplant werden.

David Last

Ein Beispiel aus seiner eigenen Praxis bei der Stadt Achim zeigt, wie ein Perspektivwechsel wirken kann: Der entscheidende Impuls war, nicht über Technik zu sprechen, sondern über die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben. Sein Fazit: Es geht darum, die vorhandenen Möglichkeiten konsequent zu nutzen, unterstützt durch dauerhafte Fortbildung und echte Professionalisierung im Schulbetrieb.

Value Added Services: Wie aus Hardware verlässliche Lösungen werden 

Damit digitale Ausstattung im Schulalltag tatsächlich funktioniert, braucht es mehr als reine Hardware. Sascha Nickel beschreibt dieses Mehr als Value Added Services, Dienstleistungen, die dafür sorgen, dass Technik zuverlässig läuft. Er unterscheidet drei Bereiche: Vorbereitung und Rollout, laufenden Betrieb inklusive Support, sowie Lifecycle Management. Bei der Vorbereitung werden Geräte bereits im Vorfeld eingerichtet und Rollouts logistisch vorbereitet, damit einzelne Schulen nicht selbst zum Logistiker werden müssen. Im laufenden Betrieb kommt es auf klare Prozesse an, etwa wenn ein Gerät ausfällt oder ein Ersatzgerät benötigt wird.

Gerade beim Thema Nachhaltigkeit zeigt sich noch Handlungsbedarf. Sie wird in Ausschreibungen häufig eng gefasst, ist bislang keine Pflicht, sondern eine Kür, und einheitliche Standards fehlen. Auch Bewertungskriterien in Ausschreibungen sind meist stark auf den reinen Hardwarepreis ausgerichtet, während Service, Rollout und Lifecycle eine untergeordnete Rolle spielen. Als Alternative plädiert Sascha Nickel für eine ganzheitliche Betrachtung.

Man sollte alles zwar preislich bemessen, aber auch nach Nutzen, Wirkung und Mehrwert.

Sascha Nickel

Größere Beschaffungsmengen und interkommunale Zusammenarbeit können zudem Wirtschaftlichkeit schaffen. Sein Fazit bringt die Herausforderung auf den Punkt: Der Digitalpakt 2.0 entscheidet sich nicht im Einkauf, sondern im Betrieb. Ziel sollte eine dauerhaft tragfähige Lösung für alle Beteiligten sein.

Der Digitalpakt 2.0 bietet die Chance, aus den Erfahrungen des ersten Digitalpakts zu lernen und Schuldigitalisierung von Anfang an ganzheitlich zu denken, mit Blick auf Betrieb, Zuständigkeiten, Fortbildung und tragfähige Lösungen für alle Beteiligten. Schulträger, Schulleitungen und IT-Verantwortliche sind gut beraten, frühzeitig eine gemeinsame Strategie mit allen Akteuren zu entwickeln und dabei nicht nur die Anschaffung, sondern den gesamten Lebenszyklus der Technik im Blick zu behalten.

Wer sich zu den vorgestellten Themen austauschen möchte, findet die Kontaktdaten und Referentenprofile der Expertinnen und Experten hier:

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